Birth of #Hevelingfacts – Ein Politiker gibt den Troll

Für den Korschenbroicher Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling ging das gestern vermutlich alles sehr schnell. Kaum war sein Gastbeitrag im Handesblatt erschienen, da wurde Heveling auch schon zur Zielscheibe von Kritik und Spott der ganzen Netzgemeinde. In seinem Beitrag offenbart er nicht nur eine abstruse Sicht auf die aktuellen Diskussionen zum Urheberrecht, sondern er prophezeit in selbstgewisser Überheblichkeit auch das Scheitern des Web 2.0.
So sieht Heveling die in den letzten Wochen stattfindenden Diskussionen über die amerikanischen Gesetzesvorhaben SOPA und PIPA als einen Kampf zwischen der Minderheit der „digital natives“ und der Mehrheit der realen Menschen. In seiner „medialen Schlachtordnung“ steht er, als Verfechter von „Freiheit, Demokratie und Eigentum“, „digitalen Maoisten“ gegenüber, die den „digitalen Totalitarismus“ anstreben. Das Eigentum wird schon bald über Web 2.0, Google und Wikipedia triumphieren.

So überheblich und so abstrus sich Hevelings Beitrag liest kann man sich nicht wundern, dass sich daraus ein wahrer Shitstorm für ihn entwickelt hat. Wenige Stunden nach der Ansage „Liebe Netzgemeinde ihr werdet den Kampf verlieren“ war Hevelings Webseite eines der ersten Opfer der „Gegenoffensive“ geworden. Einige Einwohner der Netzgemeinde hatten sich Zugang zur Webseite verschafft, dort erst vermeintliche Rücktrittserklärungen des Politikers gepostet und später die Seite ganz aus dem Netz gekegelt.
Die Reaktionen und Berichte in den sozialen Medien und auf Webseiten dürften aber den eigentlichen Fallout für Heveling ausmachen. Zahlreiche Webseiten und Blogs spotten mittlerweile über seine verqueren Vorstellungen zum Web 2.0 und zur Netzgemeinde. Auf Twitter zeigt die Suche nach dem Hashtag #Hevelingfacts, dass Ansgar Heveling mittlerweile zum unterhaltsamen Internet-Meme geworden ist.
Thomas Knüwer weisst in seinem Blog noch auf folgendes hin: Heveling ist nicht nur, wie der Spiegel schreibt, ein Troll, sondern sein Beitrag wurde vom Handelsblatt auch bewusst als solcher lanciert um dort für Aufmerksamkeit zu sorgen. Dies dürfte allerdings gelungen sein: So gesehen hat der dumme und unsachliche Kommentar hat für das Handelsblatt zu Unrecht positive, für Ansgar Heveling zu Recht negative Auswirkungen.

Auswirkungen könnten die Äußerungen des „CDU-Hinterbänklers“ Heveling allerdings auch auf die wahrgenommene Internetkompetenz seiner Partei haben. Während andere Parteien überlegen, wie sie der Abwanderung von Wählern zur Piratenpartei ein Ende bereiten können erreicht Heveling wohl eher das Gegenteil für seine CDU. Von seinem Parteikollegen Hendrik Bröckelmann wurde er dafür auch schon stark kritisiert.

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